DKP und SDAJ unterstützen die Aktion der IG Metall –
die Notwendigkeit steht wohl grundsätzlich außer Zweifel –
wenn auch über Form, Machart und Bezeichnung sicher Diskussionsbedarf besteht !

Für die anstehende Tarifrunde hat die IG Metall drei Forderungsbereiche genannt:
- Die IG Metall „wird in den kommenden Tarifrunden der Stahl- und Metall/Elektro-Industrie ihren Teil beitragen, dass alle Menschen vom Aufschwung profitieren. Versprochen. Wir halten Wort.“ (Berthold Huber in „Metallzeitung 8“, 2011)
- Die Leiharbeit soll eingedämmt werden. Hierfür soll es einen Rahmen für Betriebsvereinbarungen geben, der Betriebsräten mehr Mitsprache ermöglichen wird.
- Gleichfalls soll ein tariflicher Rahmen zur unbefristeten Übernahme aller Azubis, die ein Betrieb nach seinem Bedarf ausbildet, durchgesetzt werden. Den gilt es durch Betriebs-vereinbarung in jedem Unternehmen festzulegen. (Oliver Burk-hard, Bezirksleiter der IGM NRW am 30.05.11 in der WAZ)
Warum in einer Tarifrunde die Forderung nach unbe-fristeter Übernahme von Azubis?
Bisher mussten nach dem geltenden „Tarifvertrag zur Beschäf-tigungssicherung“ Azubis in der Metall- und Elektroindustrie in
NRW für ein Jahr befristet übernommen werden. Davon konnte jedoch aus „personenbedingten“, aus „beschäftigungsbeding-ten Gründen“ oder „wenn der Betrieb über seinen Bedarf hinaus ausgebildet hatte“ mit Zustimmung des Betriebsrates abgewichen werden.
Dieser Tarifvertrag wurde gekündigt, um Verhandlungen darü-ber führen zu können, dass zukünftig Azubis, die in der Metall- und Elektroindustrie eine Ausbildung absolviert haben, un-befristet übernommen werden.
Jugend hat ein Recht auf Perspektiven
Heute werden rund 50% der Azubis nicht übernommen. Der größte Teil von ihnen wird arbeitslos. Insgesamt ist in der Gruppe der 15- bis 24-jährigen die Erwerbslosenquote fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Übernahme sichert Zukunftsperspektiven und die dringend notwendige Berufserfahrung.
Unternehmer verstricken sich mit Scheinargumenten in Wider-sprüche: „Jugendarbeitslosigkeit betrifft vor allem die unquali-fizierten Jugendlichen . Eine abgeschlossene Ausbildung macht den Einstieg in den Arbeitsmarkt dagegen einfach.“
Es geht um eine gemeinsame Zukunft.
Die Personalstände in den Unternehmen werden immer gerin-ger – auch wegen fehlender Übernahmen von Azubis. Gleichzei-tig werden von den Beschäftigten längere Arbeitszeiten, sprich Überstunden, verlangt. Ein Unternehmen, in dem Bedarf an Überstunden besteht, muss auch Azubis übernehmen können.
Scheinargument der Unternehmer:
„Sollen wir eine Mutter oder einen Familienvater wegen der Übernahme eines Auszubildenden entlassen?“
Jugendliche brauchen berufliche Sicherheit.
Leben muss in einem überschaubaren Rahmen planbar sein – und dafür ist berufliche, sprich finanzielle Sicherheit notwen-dig.
Wer eine Beschäftigung außerhalb des erlernten Berufes annimmt, als LeiharbeiterIn arbeitet oder sich mit Minijobs über Wasser halten muss, dem fehlt jegliche Sicherheit für Zukunfts-planung.
Scheinargument der Unternehmer:
„Wegen der Wirtschaftskrise können wir uns keine Übernahme leisten.“
Gerade in letzter Zeit wurde wegen des einsetzenden „wirt-schaftlichen Aufschwungs“ der Schrei der Unternehmer nach Fachkräften wieder unüberhörbar laut.
Einerseits bilden Unternehmen gar nicht oder unter Bedarf aus, schreien aber immer dann nach jungen Fachkräften, wenn Auf-tragslagen deren Beschäftigung notwendig machen.
Darüber hinaus gibt es die andauernden Klagen über den man-gelhaften Wissensstand bei vielen Jugendlichen, der seine Ur-sachen in einer unmöglichen Bildungssituation hat.
Allzu gerne wird dann den jungen Menschen der „Schwarze Peter“ zugeschoben – die längst überfällig gewordene Reform des Bildungssystems, in dem allen gleiche Möglichkeiten der schulischen Bildung und Weiterbildung geboten werden, wird so weiter verhindert.
Wir haben mit einer Auszubildenden im Organisationsbereich der NGG gespro-chen und nachgefragt, was die Kollegin von der Aktion der IG Metall hält.
„Roter Öcher“: Wie beurteilst Du diese Aktion und wirst Du dich daran beteiligen?
Kollegin: Grundsätzlich halte ich viel von so einer Aktion, auch wenn wir im Handwerksbereich wohl etwas weniger Pro-bleme mit Übernahmen nach der Ausbildung haben als die KollegenInnen in der Industrie.
Ich frage mich allerdings, warum das jetzt eine Aktion von nur einer Gewerkschaft ist und warum jetzt nicht z.B. alle Einzelgewerkschaften unter dem „Dach des DGB“ so eine Aktion durchziehen? Ich dachte immer: „Gemeinsam sind wir stark!
„R.Ö.“: Du sprichst da genau das Problem der gewerkschaftli-chen Solidarität an, die man sich in dieser Frage sicher besonders wünschen würde. So kann zumindest der Verdacht entstehen, dass die IG Metall für „ihre“ Azubis was rausholen will, ohne an die Anderen zu denken.
Kollegin: Und wenn es dann in der Tarifrunde verhandelt wird, könnten vielleicht „Tauschgeschäfte“ entstehen, so in dem Sinne: Weniger Prozente bei der Entgelterhöhung und dafür Entgegenkommen bei der Übernahme. Da könnten die älteren KollegenInnen dann einen dicken Hals bekommen und sagen: Damit die übernommen wer-den, müssen wir auf Prozente verzichten. Da müsste dann viel Überzeugungsarbeit geleistet werden….
„R.Ö.“: Deine Skepsis können wir gut verstehen. Aber noch mal zurück zu unserer Frage: Wirst Du dich beteiligen und vielleicht auch noch mehr Jugendliche aus anderen Organisationsbereichen?
Kollegin: Ich werde teilnehmen und weiß von anderen Jugend-lichen, dass sie auch mit nach Köln fahren werden. Wir werden uns mit den Forderungen der IGM-Jugend solidarisieren – schließlich kann ich mich nicht über mangelnde Solidarität beklagen und dann, wenn solche gefordert wird, selber kneifen.
(Name und Ausbildungsbetrieb sind uns bekannt – die Kollegin wollte jedoch aus verständlichen Gründen nicht genannt werden.)
Wir haben bei der IGM, Verwaltungsstelle Aachen und bei der hiesigen Kreisorganisation des DGB nachgefragt und dabei Folgendes erfahren:
- Grundsätzlich befürworten beide Organisationen ein gemein-sames Vorgehen der Einzelgewerkschaften. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Strukturen der Gewerkschaften ist es immer schwierig, solches Vorgehen zu organisieren, auch wenn gleiche Interessen und Ziele bestehen.
- Nicht nur die IGNM hat „ihr Herz besonders für die Jugend-lichen“ entdeckt. Auch bei ver.di und der IGBCE werden Ju-gendkampagnen initiiert.
- Ein Grund für das derzeitige und für künftiges Engagement im Jugendbereich ist die Altersstruktur der Mitglieder: die An-zahl der 50 – 60-jährigen überwiegt bei weitem. Wenn Ge-werkschaften „überleben“ wollen, müssen jugendliche Mit-glieder gewonnen werden, muss sicher auch das Bewusstsein für ihre Notwendigkeit in Schulen, FHs und Unis getragen werden!