Archiv des Autors: DKP Aachen

1. Mai 2012 – Gemeinsam und solidarisch kämpfen!

Der 1. Mai in Aachen sollte ganz im Zeichen der internationalen Solidarität stehen. Wir KommunistInnen wollen nicht schweigend zuschauen, wie das Kapital die Arbeiterklasse gegeneinander ausspielt. Aus diesem Grund haben wir uns mit der Türkischen Kommunistischen Partei (TKP), der Griechischen Kommunistischen Partei (KKE) und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) zusammengesetzt und ein gemeinsames Konzept für den 1. Mai entworfen. Neben dem gemeinsamen Transparent warben die KommunistInnen zusammen an einem Infotisch für eine Alternative zum Kapitalismus.

Für uns war dieser 1. Mai ein großer Erfolg und wir hoffen, dass sich unser Konzept ausweitet und das nächstes Jahr sowohl unsere kurdischen, spanischen und iranischen GenossInnen gemeinsam mit uns für eine Welt frei von Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen. Denn nur gemeinsam und im Sinne des Internationalismus können wir den Weg zum Sozialismus ebnen.

 

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1. Mai – Aufruf der TKP

1 Mayıs işçi sınıfının birlik-mücadele-dayanışma günüdür. Öncelikle bayramımızı bu bilinç ve içerikle kutlayacağız. Sınıf uzlaşmacılığına, reformizme ve onun her türlü maskeli liberal türüne karşı, işçi sınıfının barış, demokrasi ve sosyalizm mücadelesine katkıda bulunacak, onu daha yükseltecek bir anlayışla bu yıl alanlarda olacağız. İşçi sınıfının, sınıf mücadesindeki bağlaşıkları bu 1 Mayıs’ta da yine onunla beraber olacak.

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1. Mai – Aufruf der KKE

English Version

ArbeiterInnen und Angestellte, Arbeitslose, junge MigrantInnen, RentnerInnen!

Am 1. Mai ehren die ArbeiterInnen der ganzen Welt die Toten ihrer Klasse, die heldenhaften Kämpfe und Errungenschaften der Arbeiterbewegung in ihrem Kampf gegen das Kapital. Der 1. Mai ist ein Symbol des Kampfes für die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. An diesem Tag bekundet die weltweite Arbeiterklasse ihren Entschluss, ihren Kampf bis zum Sieg fortzuführen.

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1. Mai – Aufruf der DKP

Der 1. Mai ist der internationale Kampftag, zu erkämpfen gibt es viel. Ohne Beschönigungen sind 6 Millionen erwerbslos, Hunderttausende ohne Berufsausbildung. Um 4,5 % sanken in 10 Jahren die Reallöhne, bei Zeit- und Leiharbeitskräften und anderen prekär Beschäftigten noch mehr. Mit Warnstreiks erkämpften ver.di und GEW einen Inflationsausgleich. Soll es mehr sein, reichen Warnstreiks nicht aus.

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Nazis blamieren sich

Am 4. April wollten Faschisten einen Fackelmarsch durch Stolberg vollziehen. In guter NS-Manier wollten die Nazis durch die Stolberger Nacht ziehen und so Angst und Terror bei den Stolbergerinnen und Stolbergern verbreiten. Das ihnen dies durchaus möglich ist beweisen die Zahlen der letzten Fackelmärsche. Zwischen 170 und 250 Faschisten versammelten sich in den letzten Jahren zu diesem Ereignis, um skandierend durch die kleine Stadt zu ziehen. Doch dieses Jahr scheint den Nazis dies nicht mehr möglich zu sein. Gerade einmal 45 Gestalten erschienen zu dem diesjährigen Fackelmarsch. Eher peinlich zog diese Kleinstgruppe durch abgelegene Straßen zu ihrer Kundgebung. Während des gesamten Weges wurden sie von lautstarken Rufen von Gegendemonstranten gestört. Am Kundgebungsort selbst, sorgten mehrere Nazigegner dafür, dass die Reden der Faschisten nicht gehört werden konnten. Traurig dürfte für die Nazis auch gewesen sein, dass an jedem Punkt, an dem man in Sicht und Hörweite protestieren konnte, mehr Menschen anwesend waren, als auf ihrem Fackelmarsch. Auch das für Nazis attraktive Spiel mit NS-Vorbildern dürfte nicht aufgegangen sein. Gerade einmal vier Fackeln konnte man bei dem “Fackel”-marsch beobachten. Selbst bei einem St. Martins-Umzug kann man mehr Fackeln sehen.

Schikanen gegen antifaschistischen Protest

Neben dem Stolberger Bündnis gegen Radikalismus, hatten ebenfalls mehrere Antifagruppen zu einer Demonstration aufgerufen. Vom Kaiserplatz aus sollte der Demonstrationszug in die Mühle ziehen. Jedoch konnte die Demonstration nicht einmal losgehen. Zuerst versuchte die Polizei vor Ort neue Auflagen zu erlassen, die entgegen den Absprachen zwischen Anmelder und Polizeibehörde standen. Da sich die vor Ort befindlichen Polizisten nicht einig waren, ob sie dies überhaupt durften, wurde der oberste Verantwortliche persönlich herbeigerufen. Nachdem der Versuch, die Demonstration so aufzuhalten anscheinend nicht zulässig war, bemängelte die Polizei, dass die Ordnerbinden Schwarz mit weißer Aufschrift waren und das nur Weiße mit schwarzer Aufschrift zugelassen werden können. Nachdem der Veranstalter auch dieses Problem löste, griff die Polizei auf das alte Gespenst der Vermummung zurück, um die Demonstration erneut zu schikanieren. Zu diesem Zeitpunkt sah der Veranstalter keine Möglichkeit mehr, eine vernünftige Lösung zu finden und beendete die Demonstration. Den gut 100 Nazigegnern wurde so ihr Recht auf Versammlungsfreiheit nicht nur erschwert, sondern völlig verwehrt.

Die Polizeibehörde hebt immer wieder hervor, dass sie gezwungen sei den Aufmarsch der Faschisten durchzusetzen. Schließlich verteidige die Behörde das Grundgesetz. Doch bei antifaschistischen Protest scheint die Polizei Wege und Möglichkeiten zu finden, eine Demonstration zu verhindern. Schon bei der Anreise, versuchte die Polizei die Nazigegner daran zu hindern bzw. die Ankunft zu verzögern. Es stellt sich die Frage, ob man an dieser Stelle noch von einer neutralen Rolle der Polizeiführung reden kann?

Nazis versuchen Nazigegner anzugreifen

Das die Nazis diesen Tag als große Niederlage verzeichneten, zeigt auch der eher befremdlich wirkende Versuch einige Nazigegner anzugreifen. Die Gruppe von etwa 10 bis 15 Nazis versuchte die Nazigegner zu überraschen, war jedoch selber über die Anzahl der Nazigegner so überrascht, dass sie den Angriff abbrachen und die Polizei die Faschisten einkesseln konnte.

Sicherlich ist an diesem Tag deutlich geworden, dass Stolberg nicht Bunt statt Braun ist, wie das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus gerne erklärt. Denn dafür sah man zu wenige Stolberinnen und Stolberger auf der Straße. Aber es ist auch deutlich geworden, dass der anhaltende Protest, unter anderem vom Blockadebündnis Stolberg Nazifrei, den Aufmarsch für die Nazis immer unattraktiver macht. Am nun kommenden Samstag wird sich dann zeigen, ob der Mythos Stolberg überhaupt noch funktioniert oder ob der konsequente Protest von Antifaschistinnen dem Naziaufmarsch eine Ende gesetzt hat.

Wenn der Trauermarsch am Samstag genau so peinlich verläuft wie der Fackelmarsch, dürften viele Faschisten in Zukunft lieber zu Hause bleiben.

Blockadebündnis zeigt Flagge

Während beim direkten Protest gegen die Nazis nur wenige und zumeist nur junge Stolbergerinnen und Stolberger zu beobachten waren, zeigte das Bündnis Stolberg Nazifrei lautstark, dass es Nazis in der Region nicht duldet. Immer wieder entrollten Mitglieder des Bündnisses in Sichtweite der Nazis ihr Transparent mit dem Slogan “Stolberg – Den Naziaufmarsch gemeinsam blockieren!”. Aufgestanden gegen Rechts sind an diesem Mittwochabend die Blockiererinnen und Blockierer und das nicht durch einen symbolischen Akt, sondern durch mutigen und engagierten Protest. Schon jetzt unterstützen viele Menschen das Bündnis und es ist dem Bündnis zu wünschen, dass noch mehr Menschen ihrem Aufruf am Samstag folgen und den Nazis den Weg versperren. Auch ist zu hoffen, dass die Stolbergerinnen und Stolberger dann den Mut finden, deutlicher ihren Protest zu zeigen.

(Quelle: www.kraz.ac)

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Ver.di-Warnstreik in Aachen

Die Tarifrunde im öffentlichen Dienst läuft und auch in Aachen waren die Kolleginnen und Kollegen zum Warnstreik aufgerufen. Es wurde voll am Willy-Brandt-Platz. Eine Bühne war aufgebaut, aber viel zu berichten aus den Tarifverhandlungen gab es nicht. Die Gewerkschaft fordert 6,5%. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt. Aber angeblich sind 6,5 % viel zu viel, die öffentlichen Kassen sind leer, und so weiter.

Diese Logik der „leeren Kassen“ muss durchbrochen werden. Die Fehler der Politik dürfen nicht auf den Rücken der arbeitenden Menschen ausgetragen werden. Deutlich mehr Geld, das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit sondern auch volkswirtschaftlich vernünftig.

Aber es ging an diesem Tag nicht nur um Prozente. Die Kolleginnen bei SCHLECKER kämpfen um ihre Arbeitsplätze. Die Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter beginnen in diesen Tagen. Von der großen Politik weitgehend unbeachtet geht es um 32 000 Existenzen. Die meisten direkt Betroffenen sind Frauen. Ein zynischer Beitrag zum Internationalen Frauentag. Es war gut und richtig, auch auf die Situation bei SCHLECKER hinzuweisen.

Mitglieder der DKP Aachen haben das uz-extra zum Internationalen Frauentag am 8. März verteilt. Es sind überwiegend Frauen im Niedriglohnbereich tätig. Der Zusammenhang von Diskriminierung und sozialer Ausgrenzung musste aber nicht mehr besonders herausgestellt werden. Nach der Darstellung der Zustände bei SCHLECKER war klar, was der Kampf um menschenwürdige Bezahlung mit Gleichberechtigung zu tun hat.

Wenn eine große Gewerkschaft wie Ver.di in Bewegung kommt und über Berufsgruppengrenzen hinweg mobilisiert, dann sind Erfolge möglich, dann kann das immerwiederkehrende Gejammer über „leere Kassen“ beiseitegeschoben werden. Denn Geld ist ja tatsächlich genug da, es wird nur ständig in die falsche Richtung geschoben. Marode Banken müssen gerettet werden, weil sonst angeblich das „System“ zusammenbricht. Arbeitende Menschen, die von ihrer Arbeit nicht mehr menschenwürdig existieren können, sind wohl nicht systemrelevant.

Die Wut war spürbar an diesem Frühlingstag. Aber es kam noch ein anderes Gefühl dazu. Als die Fahrzeuge der Müllabfuhr in beeindruckender Kolonne an der Kundgebung vorbeifuhren, konnte man spüren, das macht Mut.

Der Warnstreik in Aachen war ein guter Auftakt zu dieser Tarifrunde.

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Solidaritätserklärung mit dem Aachener DGB-Vorsitzenden

Bezüglich des Nazianschlages auf das DGB-Haus hat die DKP Aachen folgende Solidaritätserklärung an den Vorsitzenden des DGB NRW Region Süd-West gerichtet.

Lieber Ralf,

die Mitglieder der DKP-Gruppe Aachen haben gestern bei ihrer Mitgliederversamm-lung einstimmig beschlossen, Dir die folgende Solidaritätserklärung zu senden.

Wir unterstützen dabei ausdrücklich deine Erklärungen zum Verhalten von Polizei und Justiz in Aachen während der letzten Jahre. Unter deren Augen konnten Faschisten nahezu ungehindert ihre Schmierereien anbringen, Fensterscheiben von Privatpersonen und des Parteibüros der Linken zerstören und eine Anti-Nazi-Demo überfallen.
Der Umgang von Richtern und Staatsanwälten in den abgelaufenen und an-hängigen Prozessen gegen Nazis kann diese ebenfalls nur dazu ermuntern, ihr schändliches Treiben fortzusetzen.
Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass die Meinungsäußerung des Vorsitzenden der GdP, Wilh. Jensch, in den öffentlichen Printmedien alles andere als einen Akt der gewerkschaftlichen Solidarität darstellt. Bestehende Differenzen wären u.E. intern, aber nicht öffentlich zu klären. Letzteres macht nur den Nazis deutlich, dass sie mit ihrer „Aktion“ zumindest ein Ziel erreicht haben, nämlich die Spaltung von DGB und einer Einzelgewerkschaft.

An dieser Stelle danken wir Dir nochmals für dein bisheriges und dein aktuelles Engagement in den Auseinandersetzungen mit den Nazis und wünschen Dir und uns gemeinsam weiterhin die notwendige Kraft zum weiteren Kampf, um den sich weiter ausbreitenden Faschismus in unserer Region und darüber hinaus verhindern zu können.

Mit solidarischen Grüßen
DKP Aachen

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Anschlag auf Aachener DGB-Haus

In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden am Gewerkschaftshaus in Aachen mehrere Scheiben eingeschlagen und der Eingangsbereich mit Parolen und Hakenkreuzen beschmiert. Diese Tat reiht sich ein in eine ganze Serie von Wochenendaktivitäten aus dem rechtsradikalen Umfeld.

Nach dem Säure-Anschlag auf das Autonome Zentrum (AZ) am Freitag und den angekündigten Anschlägen auf die Gästefans aus Sankt Pauli sowie auf die antifaschistische Demonstration am Samstag muss man den Vandalismus am DGB-Haus sehr wahrscheinlich der gleichen Tätergruppe zuschreiben.

 

Ralf Woelk (Vorsitzender der DGB-Region) erklärt dazu: “Wir haben es hier in Aachen und dem Umland mit einer gewachsenen rechtsradikalen Szene zu tun, die sich mit permanenten Attacken auf ihre politischen Gegner und einer außerordentlich hohen Gewaltbereitschaft auszeichnet. Ein Verbot der dazugehörigen Strukturen ist das Mindeste was hier zu geschehen hat. Allerdings ist es auch schwer nachzuvollziehen, dass den Behörden bei dieser Vielzahl an rechtsradikal motivierten Straftaten in der Vergangenheit so wenige Festnahmen gelangen. Möglicherweise verzetteln sich hier die Behörden bei unnötigen Beobachtungen von demokratischen Organisationen bzw. bei der Durchsetzung von hanebüchenen Polizeiauflagen bei antifaschistischen Demonstrationen. Es ist jetzt endlich an der Zeit, dass der braune Saustall ausgemistet wird.”

Die DGB Region NRW Süd-West ruft seine Mitglieder dazu auf, sich an den Veranstaltungen gegen die Aufmärsche der Rechtsextremisten zu beteiligen, die für Eschweiler (31.3.) und Stolberg (4. und 7. April) bereits angekündigt sind. Insbesondere das Mittel der friedlichen Menschenblockade betrachtet der DGB-Regionsvorsitzende als legitimes und effektives Mittel, um die Straßen sauber zu halten. “In Dresden, Jena und Köln hat man gesehen, dass es gewaltfrei und friedlich möglich ist, die braune Brut aus der Stadt zu halten, wenn sich genügend Menschen zusammen tun, um sich den Nazis in den Weg zu stellen. Was in anderen Teilen der Republik selbstverständlich ist, sollte auch in der Aachener Region möglich sein, ohne von den Behörden gleich als gewaltbereiter Autonomer diskreditiert zu werden.”

(Quelle: Pressemitteilung DGB Region NRW Süd-West)

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Bombendrohung und Anschlag vor Demo

In der Nacht auf Freitag, den 3. Februar 2012 erhielten mehrere antifaschistische Gruppen aus Aachen Bombendrohungen von anonymen Absendern. Darin wurde angekündigt, Sprengstoffattentate auf den Gästeblock des Tivoli beim Spiel Alemannia Aachen gegen den FC St. Pauli und auf die Route der antifaschistischen Demonstration am morgigen Samstag verüben zu wollen. Desweiteren kam es in derselben Nacht erneut zu einem Buttersäureanschlag auf das Autonome Zentrum (AZ) am Aachener Hauptbahnhof. Wir lassen uns von derartigen Einschüchterungsversuchen nicht beeindrucken und werden morgen trotzdem gegen die in der Region zunehmend aktiven neonazistischen Strukturen auf die Straße gehen.

(Quelle: Indymedia)

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Aktionstag der IG Metall

DKP und SDAJ unterstützen die Aktion der IG Metall –
die Notwendigkeit steht wohl grundsätzlich außer Zweifel –
wenn auch über Form, Machart und Bezeichnung sicher Diskussionsbedarf besteht !

Für die anstehende Tarifrunde hat die IG Metall drei Forderungsbereiche genannt:

- Die IG Metall „wird in den kommenden Tarifrunden der Stahl- und Metall/Elektro-Industrie ihren Teil beitragen, dass alle Menschen vom Aufschwung profitieren. Versprochen. Wir halten Wort.“ (Berthold Huber in „Metallzeitung 8“, 2011)

- Die Leiharbeit soll eingedämmt werden. Hierfür soll es einen Rahmen für Betriebsvereinbarungen geben, der Betriebsräten mehr Mitsprache ermöglichen wird.

- Gleichfalls soll ein tariflicher Rahmen zur unbefristeten Übernahme aller Azubis, die ein Betrieb nach seinem Bedarf ausbildet, durchgesetzt werden. Den gilt es durch Betriebs-vereinbarung in jedem Unternehmen festzulegen. (Oliver Burk-hard, Bezirksleiter der IGM NRW am 30.05.11 in der WAZ)

Warum in einer Tarifrunde die Forderung nach unbe-fristeter Übernahme von Azubis?

Bisher mussten nach dem geltenden „Tarifvertrag zur Beschäf-tigungssicherung“ Azubis in der Metall- und Elektroindustrie in
NRW für ein Jahr befristet übernommen werden. Davon konnte jedoch aus „personenbedingten“, aus „beschäftigungsbeding-ten Gründen“ oder „wenn der Betrieb über seinen Bedarf hinaus ausgebildet hatte“ mit Zustimmung des Betriebsrates abgewichen werden.
Dieser Tarifvertrag wurde gekündigt, um Verhandlungen darü-ber führen zu können, dass zukünftig Azubis, die in der Metall- und Elektroindustrie eine Ausbildung absolviert haben, un-befristet übernommen werden.

Jugend hat ein Recht auf Perspektiven

Heute werden rund 50% der Azubis nicht übernommen. Der größte Teil von ihnen wird arbeitslos. Insgesamt ist in der Gruppe der 15- bis 24-jährigen die Erwerbslosenquote fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Übernahme sichert Zukunftsperspektiven und die dringend notwendige Berufserfahrung.

Unternehmer verstricken sich mit Scheinargumenten in Wider-sprüche: „Jugendarbeitslosigkeit betrifft vor allem die unquali-fizierten Jugendlichen . Eine abgeschlossene Ausbildung macht den Einstieg in den Arbeitsmarkt dagegen einfach.“

Es geht um eine gemeinsame Zukunft.

Die Personalstände in den Unternehmen werden immer gerin-ger – auch wegen fehlender Übernahmen von Azubis. Gleichzei-tig werden von den Beschäftigten längere Arbeitszeiten, sprich Überstunden, verlangt. Ein Unternehmen, in dem Bedarf an Überstunden besteht, muss auch Azubis übernehmen können.

Scheinargument der Unternehmer:
„Sollen wir eine Mutter oder einen Familienvater wegen der Übernahme eines Auszubildenden entlassen?“

Jugendliche brauchen berufliche Sicherheit.

Leben muss in einem überschaubaren Rahmen planbar sein – und dafür ist berufliche, sprich finanzielle Sicherheit notwen-dig.
Wer eine Beschäftigung außerhalb des erlernten Berufes annimmt, als LeiharbeiterIn arbeitet oder sich mit Minijobs über Wasser halten muss, dem fehlt jegliche Sicherheit für Zukunfts-planung.

Scheinargument der Unternehmer:
„Wegen der Wirtschaftskrise können wir uns keine Übernahme leisten.“

Gerade in letzter Zeit wurde wegen des einsetzenden „wirt-schaftlichen Aufschwungs“ der Schrei der Unternehmer nach Fachkräften wieder unüberhörbar laut.
Einerseits bilden Unternehmen gar nicht oder unter Bedarf aus, schreien aber immer dann nach jungen Fachkräften, wenn Auf-tragslagen deren Beschäftigung notwendig machen.
Darüber hinaus gibt es die andauernden Klagen über den man-gelhaften Wissensstand bei vielen Jugendlichen, der seine Ur-sachen in einer unmöglichen Bildungssituation hat.
Allzu gerne wird dann den jungen Menschen der „Schwarze Peter“ zugeschoben – die längst überfällig gewordene Reform des Bildungssystems, in dem allen gleiche Möglichkeiten der schulischen Bildung und Weiterbildung geboten werden, wird so weiter verhindert.

Wir haben mit einer Auszubildenden im Organisationsbereich der NGG gespro-chen und nachgefragt, was die Kollegin von der Aktion der IG Metall hält.

„Roter Öcher“: Wie beurteilst Du diese Aktion und wirst Du dich daran beteiligen?

Kollegin: Grundsätzlich halte ich viel von so einer Aktion, auch wenn wir im Handwerksbereich wohl etwas weniger Pro-bleme mit Übernahmen nach der Ausbildung haben als die KollegenInnen in der Industrie.
Ich frage mich allerdings, warum das jetzt eine Aktion von nur einer Gewerkschaft ist und warum jetzt nicht z.B. alle Einzelgewerkschaften unter dem „Dach des DGB“ so eine Aktion durchziehen? Ich dachte immer: „Gemeinsam sind wir stark!
„R.Ö.“: Du sprichst da genau das Problem der gewerkschaftli-chen Solidarität an, die man sich in dieser Frage sicher besonders wünschen würde. So kann zumindest der Verdacht entstehen, dass die IG Metall für „ihre“ Azubis was rausholen will, ohne an die Anderen zu denken.
Kollegin: Und wenn es dann in der Tarifrunde verhandelt wird, könnten vielleicht „Tauschgeschäfte“ entstehen, so in dem Sinne: Weniger Prozente bei der Entgelterhöhung und dafür Entgegenkommen bei der Übernahme. Da könnten die älteren KollegenInnen dann einen dicken Hals bekommen und sagen: Damit die übernommen wer-den, müssen wir auf Prozente verzichten. Da müsste dann viel Überzeugungsarbeit geleistet werden….
„R.Ö.“: Deine Skepsis können wir gut verstehen. Aber noch mal zurück zu unserer Frage: Wirst Du dich beteiligen und vielleicht auch noch mehr Jugendliche aus anderen Organisationsbereichen?
Kollegin: Ich werde teilnehmen und weiß von anderen Jugend-lichen, dass sie auch mit nach Köln fahren werden. Wir werden uns mit den Forderungen der IGM-Jugend solidarisieren – schließlich kann ich mich nicht über mangelnde Solidarität beklagen und dann, wenn solche gefordert wird, selber kneifen.
(Name und Ausbildungsbetrieb sind uns bekannt – die Kollegin wollte jedoch aus verständlichen Gründen nicht genannt werden.)

Wir haben bei der IGM, Verwaltungsstelle Aachen und bei der hiesigen Kreisorganisation des DGB nachgefragt und dabei Folgendes erfahren:
- Grundsätzlich befürworten beide Organisationen ein gemein-sames Vorgehen der Einzelgewerkschaften. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Strukturen der Gewerkschaften ist es immer schwierig, solches Vorgehen zu organisieren, auch wenn gleiche Interessen und Ziele bestehen.
- Nicht nur die IGNM hat „ihr Herz besonders für die Jugend-lichen“ entdeckt. Auch bei ver.di und der IGBCE werden Ju-gendkampagnen initiiert.
- Ein Grund für das derzeitige und für künftiges Engagement im Jugendbereich ist die Altersstruktur der Mitglieder: die An-zahl der 50 – 60-jährigen überwiegt bei weitem. Wenn Ge-werkschaften „überleben“ wollen, müssen jugendliche Mit-glieder gewonnen werden, muss sicher auch das Bewusstsein für ihre Notwendigkeit in Schulen, FHs und Unis getragen werden!

Veröffentlicht unter Klassenkampf und Gewerkschaft, Roter Oecher | Hinterlasse einen Kommentar