Kategorie-Archiv: Roter Oecher

Kommunisten kommen ins Ostviertel

Schon in der letzten Ausgabe des Roten Oecher wießen wir auf den hundertsten Jahrestag des ersten Weltkrieges hin. Zu diesem Ereignis wollen wir Kommunisten gemeinsam mit unseren Genossen aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg in Aachen eine Konferenz stattfinden lassen, welche sich einerseits historisch mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges beschäftigt und noch wichtiger andererseits mit den Gefahren der heutigen Zeit und der zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft befasst. Noch immer bestimmen imperialistische Kriege das Weltgeschehen, noch immer versucht man uns einzureden, das “Deutsche” Interessen am Hindukusch verteidigt würden. Doch 1914 und auch 2014 werden in Wahrheit die Interessen der nationalen Kapitalisten in solchen Kriegen verteidigt und dies mit dem Blut und dem Leid der Völker.
Damit die eigene Bevölkerung verblendet wird, bedient man sich des Nationalismus und des Rassismus. Angeblich wollen die Griechen oder Portugiesen an unser schönes deutsches Geld, doch in Wahrheit rauben die selben Kapitalisten die Bevölkerungen Griechenlands und Portugals aus, die in Deutschland immer mehr Menschen in die Armut treiben. Prekäre Beschäftigungen werden zur Normalität, längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne ebenfalls. Lassen wir uns nicht spalten, kämpfen wir gemeinsam mit unseren Klassenbrüdern in Griechenland, Portugal usw. gegen das System, welches uns knechtet.

Proletarischer Internationalismus

Um ein Gegengewicht zum staatlichen Gedenken an den ersten Weltkrieg zu setzen, welches sich auf ein reines betrauern der deutschen Opfer beschränkt, wollen wir neben der Konferenz gemeinsam mit unseren Bruderparteien der Partei der Arbeit Belgien, der Neuen Kommunistischen Partei der Niederlande, der Kommunistischen Partei Luxemburgs, der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend und vielen anderen Bündnispartnern auf die Straße gehen und zeigen, dass der proletarische Internationalismus eine mächtige Waffe gegen Nationalismus und Rassismus ist. Am Samstag, 15. Februar startet ab 12 Uhr eine Demonstration von Hauptbahnhof zum Kennedy Park.

Ostviertel bewusst gewählt

Während bürgerliche Politiker und Polizeiführung das Ostviertel zu einem “Problemviertel” verurteilen, wollen wir Kommunisten genau hier, wo die Menschen die ganze Härte der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung zu spüren bekommen aufzeigen, dass wir mit den Menschen im Ostviertel etwas verändern wollen. Dazu gehört kostenlose Bildung, schluss mit dem dreigliedrigen Schulsystem, welches besonders Kinder aus migrantischen Familien aussortiert, kostenlose medizinische Versorgung und einen Nahverkehr, den sich die Menschen auch leisten können. Städtische Jugendzentren gehören der Geschichte an, auch hier gilt es zu fordern, dass endlich wieder Geld für die Jugend da sein muss. Auch dafür gehen wir auf die Straße und laden alle Menschen ein, gemeinsam mit uns ein Zeichen gegen Krieg und Imperialismus und für eine Gesellschaft der Solidarität und Gerechtigkeit zu setzen.

100 Jahre erster imperialistischer Weltkrieg

Von Aachen aus startete der erste Weltkrieg gegen das neutrale Belgien

niewiederkrieg2014 findet der 100. Jahrestag eines Ereignisses statt, welches die Geschichte wesentlich geprägt hat. Am 5. August überfiel das Deutsche Reich das neutrale Belgien und stürzte so, die Menschheit in den ersten Weltkrieg.

Für Aachen stellt dieser Tag und damit der ganze Krieg etwas besonderes dar, denn neben Eupen und Malmedy gehörte Aachen zu den Aufmarschgebieten, von wo aus der Krieg begann. Ziel der Deutschen Armee beim Überfall auf Belgien war es, möglichst schnell Frankreich in den Rücken zu fallen und erst nach dem Sieg über Frankreich den Aufmarsch gegen Russland durchzuführen. Hiermit sollte ein Zweifrontenkrieg vermieden werden. Das dieser Plan nicht aufging ist historisch bewiesen, was aber häufig verschwiegen wird, sind die Verbrechen der Deutschen an der belgischen Bevölkerung. Zwischen dem 5. und dem 8. August wurden im Umland von Lüttich über 850 Zivilisten ermordet und rund 1300 Gebäude niedergebrannt. Insgesamt wurden in den wenigen Tagen der Schlacht um Lüttich 5.521 Zivilisten vorsätzlich getötet. Trotz dieser Verbrechen, die von Aachen aus starteten finden wir in der Zeitleiste der Stadt Aachen lediglich den Eintrag: „Auswirkungen des 1. Weltkrieges sind auch in Aachen deutlich spürbar.“ Später dann der Eintrag, dass man den Kreis Eupen verloren hatte und das Aachen elf Jahre unter belgischer Besatzung stand. Beim Aachener Geschichtsverein finden wir in einem kurzen geschichtlichen Abriss folgende Zeilen: „Der I. Weltkrieg brachte für Aachen wie für das gesamte Rheinland einen empfindlichen Rückschlag. Die Kreise Eupen und Malmedy als Hinterland gingen verloren. Das Rheinland blieb bis 1928 besetzt.“ Auch hier werden die Täter beweint und die Opfer verschwiegen. Zwar hat die Stadt angekündigt zum 100. Jahrestag ebenfalls Veranstaltungen durchzuführen, bei dem was die Stadt bis jetzt gezeigt hat, darf aber bezweifelt werden, dass eine wirklich kritische Auseinandersetzung stattfindet.

Für uns Kommunisten stellt der erste Weltkrieg zudem einen weiteren wichtigen Aspekt dar. Denn nachdem die Sozialdemokratie dem Krieg im Sinne des Burgfriedens zugestimmt hatte und damit die Arbeiterbewegung und den Internationalismus verriet, entstanden überall auf der Welt Kommunistische Parteien. Auch in Deutschland entstand zuerst die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschland (USPD) als Reaktion auf den Verrat der SPD. Nachdem die USPD aber 1918 gemeinsam mit der SPD die Regierung stellte und damit der Novemberrevolution ins Herz stach, gründete sich unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Dezember 1918 die Kommunistische Partei Deutschland (KPD).

Auch heute stehen Kommunisten eben für jenen Internationalismus und dies wollen wir gerade beim 100. Jahrestag des ersten imperialistischen Weltkrieges aufzeigen. Aus diesem Grund findet vom 15. bis 16. Februar in Aachen eine Konferenz der Partei der Arbeit Belgiens, der Neuen Kommunistischen Partei der Niederlande, der Kommunistischen Partei Luxemburgs und der Deutschen Kommunistischen Partei statt. Hier soll ein anderes Bild des ersten Weltkrieges gezeigt werden, als es die bürgerlichen Medien propagieren. Es soll aber auch aufgezeigt werden, dass immer noch Krieg geführt wird von jenen, die schon damals vom Leid der Menschen profitiert haben. Vor allem wollen wir aber zeigen, dass wir gemeinsam mit unseren Genossen aus Belgien, den Niederlanden und Luxemburg auf die Straße gehen und uns nicht einem nationalistischen Geschichtsrevisionismus hingeben, der Deutschland lediglich als traurigen Verlierer darstellt. Aus diesem Grund findet am 15. Februar vor der Konferenz eine Demonstration in Aachen statt die vom Hauptbahnhof aus startet. Unsere Antwort auf den zunehmenden Nationalchauvinismus in Deutschland und Europa heißt Internationale Solidarität und wir folgen den Worten Karl Liebknechts: „Der Hauptfeind des deutschen Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus, die deutsche Kriegspartei, die deutsche Geheimdiplomatie. Diesen Feind im eigenen Lande gilt’s für das deutsche Volk zu bekämpfen, zu bekämpfen im politischen Kampf, zusammenwirkend mit dem Proletariat der anderen Länder, dessen Kampf gegen seine heimischen Imperialisten geht.[…] Alles für das internationale Proletariat, um des deutschen Proletariats, um der getretenen Menschheit willen!“

6. Außerordentlicher Gewerkschaftstag der IG Metall

Die neuen Vorsitzenden der IG Metall

Die neuen Vorsitzenden der IG Metall

In Frankfurt am Main fand vom 24. bis zum 25.11.2013 der 6. außerordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall statt unter dem Leitmotiv: „Kurswechsel-Gemeinsam für ein gutes Leben“. Dieser Gewerkschaftstag wurde not-wendig, weil Berthold Huber, der 2011 wiedergewählte 1.Vorsitzende der IGM angekündigt hatte, nach 2 Jahren Amtszeit zurücktreten zu wollen. Darüber hinaus sollten zur Verjüngung des Vorstandes ebenfalls ein zweiter Vorsitzender, Hauptkassierer und zwei weitere geschäftsführende Vorstandsmitglieder gewählt werden.

Es wurde viel „gelobhudelt“, vor allem in Richtung des scheidenden Berthold Huber, dem ein Journalist (AN, 22.11.13) bescheinigte, dass er sich vom „Weltrevolutionär zum Chefpragmatiker“ gewandelt habe. Aber auch seitens der Politik gab es überschwängliches Lob für den bekehrten „Revolutionär“ Huber: natürlich vom designierten Vizekanzler Gabriel und ganz besonders auch von Angela Merkel, deren besondere Zuneigung Huber schließlich bereits bei einem gemeinsamen Essen zu seinem 60. Geburtstag auf Einladung der Kanzlerin erfahren hatte. Sie überschlug sich geradezu beim Lob für Huber, pries seine praktizierte „Sozialpartnerschaft“ und gab der Zusammenarbeit von Gewerkschaften, Unternehmen und Staat das Prädikat „Erfolgsmodell Deutschland“. Merkel weiter: Der scheidende IGM-Vorsitzende habe sich während der Finanz– und Wirtschaftskrise „pragmatisch dafür eingesetzt ,auch im Bereich der Lohnfragen vernünftig zu handeln, um Arbeitsplätze zu sichern“. Das passt, denn Huber hatte den spanischen Gewerkschaften vorgeworfen, dass sie durch ihre „unvernünftige“ Lohnpolitik die Löhne für die Beschäftigten hoch getrieben, damit aber gleichzeitig die Konkurrenzfähigkeit der spanischen Industrie beseitigt hätten – also letztlich Schuld an der spanischen Misere trügen. Ein besonderes Lehrstück des Kollegen Huber in puncto internationaler gewerkschaftlicher Solidarität! Am Vortag hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel ihn als großen Gewerkschafter gepriesen, der „viel für dieses Land geleistet“ habe.

Insgesamt wurde beim Gewerkschaftstag klar, dass auch die neue SPD-Spitze mit Detlef Wetzel und Jörg Hofmann offenbar ganz auf eine große Koalition setzen – insbesondere auf die SPD. „Wir setzen darauf, dass die SPD verlässlich Kurs halten wird in RichtungGute Arbeit‘, wohl wissend, dass andere im Bremserhäuschen sitzen“, sagte Wetzel. Einige Delegierte hielten während Gabriels Rede ein Transparent mit der Aufschrift „Keine große Koalition“ hoch. Gabriel sagte dazu, der gesetzliche Mindestlohn, die „Solidar-Rente“, die Eindämmung des Missbrauchs von Leiharbeit und anderes sei nur mit einer großen Koalition zu erreichen.“

Viele Sonntagsreden, viele Forderungen, die in 5 Seiten der „Frankfurter Erklärung der IG Metall – Aktiv für eine demokratische und solidarische Gesellschaft“ niedergeschrieben sind – aber an keiner Stelle die Erklärung, wie man gedenkt, außer mit Appellen und schönen Worten, die Erfüllung dieser Forderungen erreichen zu können…

Mehr Armut trotz „Jobwunder“

Datenreport 2013: Lebenserwartung sinkt mit dem Einkommen

Im reichen Deutschland wächst die Armut. Dies ist das Fazit des am Dienstag (26.11.14) in Berlin vorgestellten „Datenreports 2013“. Danach waren 2011 rund 13 Millionen Bürger und damit fast jeder sechste armutsgefährdet. Der Anteil an der Bevölkerung stieg laut Bericht von 15,2% 2007 auf 16,1%. Als arm gilt, wer 2011 weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Betroffen sind insbesondere Menschen in befristeter oder Teilzeitbeschäftigung unter 21 Stunden, mit Minijobs oder in Zeit– und Leiharbeit. Der Report „Leben in Deutschland“ wird vom Statistischen Bundesamt, der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung herausgegeben.
Der Präsident des statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, sagte, mit 42 Millionen hätten zwar mehr Menschen eine bezahlte Arbeit als 1991. Der Pferdefuß des „deutschen Jobwunders“: Die Zahl der geleisteten Stunden habe 2012 unter dem Wert von 1991 gelegen. Durch die Ausweitung des Niedriglohnsektors seien zwar mehr Menschen in Arbeit gekommen. Dies sei aber mit geringerer sozialer Absicherung und geringerem Einkommen verbunden.
Laut Bericht waren die 18– bis 24jährigen sowie die 55– bis 64jährigen zuletzt weitaus häufiger von Armut bedroht als Menschen der anderen Altersgruppen. Bei den Älteren stieg das Armutsrisiko innerhalb von vier Jahren von 17,7% auf 20,5%, bei den Jungen auf 20,7%. Der Anteil der gefährdeten Frauen lag bei
17,2%, der der Männer bei 14,9%. Roland Habich vom WZB, einer der Autoren der Studie, wies darauf hin, dass sich Armut vielfach „verfestigt“ hat. 81% der Personen, die 2011 arm waren, seien dies auch schon in den vorangegangenen vier Jahren gewesen. Nahezu 40% von ihnen seien es dauerhaft. Im Jahr 2000 habe diese Quote noch bei 27% gelegen. Zudem sinken Habich zufolge die Rentenansprüche von Neurentnern der unteren Einkommensschichten seit mehr als 20 Jahren kontinuierlich. Ein weiterer, wenig überraschender Befund: „Arme sterben früher“, so Habich. Die Lebenserwartung von Männern der niedrigsten Einkommensgruppe liegt im Schnitt um fast 11 Jahre unter der von Männern mit hohem Einkommen. Bei Frauen beträgt der Unterschied 8 Jahre. (dpa/Reuters/jW)

Wer über Sozialismus redet, sollte über Kommunismus nachdenken…

artikel1Der Zusammenbruch des Realsozialismus hat die von der Oktoberrevolution eingeleitete internationale Verlagerung des Imperialismus zum Sozialismus abrupt unterbrochen und von allem mit diesen Losungen verbundenen Vorstellungen und Erwartungen nahezu nichts mehr übrig gelassen. Es wurden Hoffnungen enttäuscht und Fortschrittsperspektiven zerstört. Der Kapitalismus konnte sich als „Sieger der Geschichte“ wähnen und im geschichtlichen Zusammenhang als alternativlos darstellen. Die katastrophalen Folgen waren ein politischer Einschnitt großen Ausmaßes. Sie bewirkten in Europa einen historischen Schritt zurück hinter die Zeit sozialistischer Revolutionen. Die Arbeiterklasse und revolutionäre Bewegungen in einigen Ländern verloren die Basis für ihre Kämpfe.

Heißt das jetzt, dass wir uns von unseren Vorstellungen von Sozialismus und einer Abschätzung, dies auch verwirklichen zu können verabschieden müssen und uns als „Trostpflaster“ lediglich eine „sozialistische Vision“ bewahren?

Natürlich nicht: Der Widerspruch Imperialismus-Sozialismus ist in der Wirklichkeit auch nicht ansatzweise gelöst – er hat sich im Gegenteil weiter verschärft, vor allem auch durch die seit 2008 herrschende strukturelle Krise des Kapitalismus. Die Ursachen dieser strukturellen Krise liegen nicht in Fehlern oder – wie uns eingeredet werden soll – im Missmanagement einiger Akteure, sondern sind begründet im Wesen des Kapitalismus und seiner inneren Widersprüche. Sie zeigt sich als besonders heftige zyklische Überproduktionskrise und findet ihren Ausdruck in Wirtschaft, Politik, Kultur – in allen Bereichen der bürgerlichen Gesellschaft. Als chronische Überakkumulationskrise hat sie zu einer Verschiebung von Kapital zu Gunsten der Finanzwirtschaft und zu einem deutlichen Ausbau ihrer Internationalisierung geführt. Diese Entwicklungen haben die Widersprüche nicht gelöst, sondern nur weiter stets verschärft. „Der Akkumulationsprozess des Kapitals, Wachstum und technischer Fortschritt können sich nur über wiederkehrende ökonomische und politische Krisen realisieren. Damit verbunden sind wachsende Ungleichheit bei der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums und – tendenziell – die Zunahme von Armut und Verelendung.“

Seit 2008 hat die sog. „Krisenbewältigungs-Strategie“ des Großkapitals und seiner politischen Vertreter zu immer weiteren Vertiefungen der finanziellen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Krisen und zu verschärftem Abbau von Demokratie geführt. Zur Absicherung ihrer Politik gegen den Widerstand der Bevölkerung wurden die Angriffe auf demokratische Rechte erweitert.

Die aktuelle Krise ist noch lange nicht beendet. Ihre globale Dimension wird deutlicher:

– In vielen Regionen der Welt herrscht Krieg. Es geht um geostrategische Vorteile, vor allem jedoch um die Jagd nach Profit und die Sicherung des Zugriffs auf knapper werdende Ressourcen.

– Die Zerstörung der Umwelt, die spürbaren Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Lebensbedingungen vieler Menschen auf unserem Planeten.

– Milliarden Menschen leben in Armut, Millionen Menschen sind auf der Flucht vor Elend, Hoffnungslosigkeit und Krieg.

Diese Widersprüche sind im Rahmen des kapitalistischen Systems nicht lösbar. In der Vergangenheit hat das Kapital immer wieder „Auswege“ aus Wirtschafts – und Finanzkrisen gefunden. Wodurch aber „überwindet“ die Bourgeoisie die Krisen?

Karl Marx und Friedrich Engels: „Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften; andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung alter Märkte. Wodurch also? Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.“ (1848, Manifest)

Es gibt hinreichend gewichtige Gründe, die sozialistische Lösungen notwendig machen, wenn der reale Kapitalismus die Welt nicht in ein unheilbares Chaos stürzen soll. Erforderlich sind neue gründliche Überlegungen über einen zukünftigen Sozialismus, über die Neuformierung eines befähigten und aktionsbereiten sozialistischen Kräftepotentials, über Wege und Strategien, um in dieser Richtung erneut Fortschritte zu erzielen. Das heißt dann auch, dass es in einem solchen Prozess wesentlich auf die Gewerkschaften und die Arbeiterklasse ankommt. Nur ein gemeinsamer, solidarischer Kampf kann dazu führen den Kapitalismus zu überwinden…

(Zitate aus: „Antworten der DKP auf die Krise“)

Aktionstag der IG Metall

DKP und SDAJ unterstützen die Aktion der IG Metall –
die Notwendigkeit steht wohl grundsätzlich außer Zweifel –
wenn auch über Form, Machart und Bezeichnung sicher Diskussionsbedarf besteht !

Für die anstehende Tarifrunde hat die IG Metall drei Forderungsbereiche genannt:

– Die IG Metall „wird in den kommenden Tarifrunden der Stahl- und Metall/Elektro-Industrie ihren Teil beitragen, dass alle Menschen vom Aufschwung profitieren. Versprochen. Wir halten Wort.“ (Berthold Huber in „Metallzeitung 8“, 2011)

– Die Leiharbeit soll eingedämmt werden. Hierfür soll es einen Rahmen für Betriebsvereinbarungen geben, der Betriebsräten mehr Mitsprache ermöglichen wird.

– Gleichfalls soll ein tariflicher Rahmen zur unbefristeten Übernahme aller Azubis, die ein Betrieb nach seinem Bedarf ausbildet, durchgesetzt werden. Den gilt es durch Betriebs-vereinbarung in jedem Unternehmen festzulegen. (Oliver Burk-hard, Bezirksleiter der IGM NRW am 30.05.11 in der WAZ)

Warum in einer Tarifrunde die Forderung nach unbe-fristeter Übernahme von Azubis?

Bisher mussten nach dem geltenden „Tarifvertrag zur Beschäf-tigungssicherung“ Azubis in der Metall- und Elektroindustrie in
NRW für ein Jahr befristet übernommen werden. Davon konnte jedoch aus „personenbedingten“, aus „beschäftigungsbeding-ten Gründen“ oder „wenn der Betrieb über seinen Bedarf hinaus ausgebildet hatte“ mit Zustimmung des Betriebsrates abgewichen werden.
Dieser Tarifvertrag wurde gekündigt, um Verhandlungen darü-ber führen zu können, dass zukünftig Azubis, die in der Metall- und Elektroindustrie eine Ausbildung absolviert haben, un-befristet übernommen werden.

Jugend hat ein Recht auf Perspektiven

Heute werden rund 50% der Azubis nicht übernommen. Der größte Teil von ihnen wird arbeitslos. Insgesamt ist in der Gruppe der 15- bis 24-jährigen die Erwerbslosenquote fast doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Übernahme sichert Zukunftsperspektiven und die dringend notwendige Berufserfahrung.

Unternehmer verstricken sich mit Scheinargumenten in Wider-sprüche: „Jugendarbeitslosigkeit betrifft vor allem die unquali-fizierten Jugendlichen . Eine abgeschlossene Ausbildung macht den Einstieg in den Arbeitsmarkt dagegen einfach.“

Es geht um eine gemeinsame Zukunft.

Die Personalstände in den Unternehmen werden immer gerin-ger – auch wegen fehlender Übernahmen von Azubis. Gleichzei-tig werden von den Beschäftigten längere Arbeitszeiten, sprich Überstunden, verlangt. Ein Unternehmen, in dem Bedarf an Überstunden besteht, muss auch Azubis übernehmen können.

Scheinargument der Unternehmer:
„Sollen wir eine Mutter oder einen Familienvater wegen der Übernahme eines Auszubildenden entlassen?“

Jugendliche brauchen berufliche Sicherheit.

Leben muss in einem überschaubaren Rahmen planbar sein – und dafür ist berufliche, sprich finanzielle Sicherheit notwen-dig.
Wer eine Beschäftigung außerhalb des erlernten Berufes annimmt, als LeiharbeiterIn arbeitet oder sich mit Minijobs über Wasser halten muss, dem fehlt jegliche Sicherheit für Zukunfts-planung.

Scheinargument der Unternehmer:
„Wegen der Wirtschaftskrise können wir uns keine Übernahme leisten.“

Gerade in letzter Zeit wurde wegen des einsetzenden „wirt-schaftlichen Aufschwungs“ der Schrei der Unternehmer nach Fachkräften wieder unüberhörbar laut.
Einerseits bilden Unternehmen gar nicht oder unter Bedarf aus, schreien aber immer dann nach jungen Fachkräften, wenn Auf-tragslagen deren Beschäftigung notwendig machen.
Darüber hinaus gibt es die andauernden Klagen über den man-gelhaften Wissensstand bei vielen Jugendlichen, der seine Ur-sachen in einer unmöglichen Bildungssituation hat.
Allzu gerne wird dann den jungen Menschen der „Schwarze Peter“ zugeschoben – die längst überfällig gewordene Reform des Bildungssystems, in dem allen gleiche Möglichkeiten der schulischen Bildung und Weiterbildung geboten werden, wird so weiter verhindert.

Wir haben mit einer Auszubildenden im Organisationsbereich der NGG gespro-chen und nachgefragt, was die Kollegin von der Aktion der IG Metall hält.

„Roter Öcher“: Wie beurteilst Du diese Aktion und wirst Du dich daran beteiligen?

Kollegin: Grundsätzlich halte ich viel von so einer Aktion, auch wenn wir im Handwerksbereich wohl etwas weniger Pro-bleme mit Übernahmen nach der Ausbildung haben als die KollegenInnen in der Industrie.
Ich frage mich allerdings, warum das jetzt eine Aktion von nur einer Gewerkschaft ist und warum jetzt nicht z.B. alle Einzelgewerkschaften unter dem „Dach des DGB“ so eine Aktion durchziehen? Ich dachte immer: „Gemeinsam sind wir stark!
„R.Ö.“: Du sprichst da genau das Problem der gewerkschaftli-chen Solidarität an, die man sich in dieser Frage sicher besonders wünschen würde. So kann zumindest der Verdacht entstehen, dass die IG Metall für „ihre“ Azubis was rausholen will, ohne an die Anderen zu denken.
Kollegin: Und wenn es dann in der Tarifrunde verhandelt wird, könnten vielleicht „Tauschgeschäfte“ entstehen, so in dem Sinne: Weniger Prozente bei der Entgelterhöhung und dafür Entgegenkommen bei der Übernahme. Da könnten die älteren KollegenInnen dann einen dicken Hals bekommen und sagen: Damit die übernommen wer-den, müssen wir auf Prozente verzichten. Da müsste dann viel Überzeugungsarbeit geleistet werden….
„R.Ö.“: Deine Skepsis können wir gut verstehen. Aber noch mal zurück zu unserer Frage: Wirst Du dich beteiligen und vielleicht auch noch mehr Jugendliche aus anderen Organisationsbereichen?
Kollegin: Ich werde teilnehmen und weiß von anderen Jugend-lichen, dass sie auch mit nach Köln fahren werden. Wir werden uns mit den Forderungen der IGM-Jugend solidarisieren – schließlich kann ich mich nicht über mangelnde Solidarität beklagen und dann, wenn solche gefordert wird, selber kneifen.
(Name und Ausbildungsbetrieb sind uns bekannt – die Kollegin wollte jedoch aus verständlichen Gründen nicht genannt werden.)

Wir haben bei der IGM, Verwaltungsstelle Aachen und bei der hiesigen Kreisorganisation des DGB nachgefragt und dabei Folgendes erfahren:
– Grundsätzlich befürworten beide Organisationen ein gemein-sames Vorgehen der Einzelgewerkschaften. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Strukturen der Gewerkschaften ist es immer schwierig, solches Vorgehen zu organisieren, auch wenn gleiche Interessen und Ziele bestehen.
– Nicht nur die IGNM hat „ihr Herz besonders für die Jugend-lichen“ entdeckt. Auch bei ver.di und der IGBCE werden Ju-gendkampagnen initiiert.
– Ein Grund für das derzeitige und für künftiges Engagement im Jugendbereich ist die Altersstruktur der Mitglieder: die An-zahl der 50 – 60-jährigen überwiegt bei weitem. Wenn Ge-werkschaften „überleben“ wollen, müssen jugendliche Mit-glieder gewonnen werden, muss sicher auch das Bewusstsein für ihre Notwendigkeit in Schulen, FHs und Unis getragen werden!